Heute setzen wir unsere beliebt
e Rückschau zu Objekten des Monats fort. 2016 stellten wir zwei äußerst ungewöhnliche Kuckucksuhren vor. Lassen Sie sich überraschen!
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Objekt des Monats Januar 2016
Bahnhäusleuhr mit Kuckuck und militärischen Motiven zur Erinnerung an den deutsch-französischen Krieg 1870, Werk F. I. Wehrle, Schwarzwald, um 1870, Inv. 2015-075
Eine quietschbunte Kuckucksuhr mit Totenkopf, Handgranaten und Sturmgewehren. Damit war der Offenburger Streetart-Künstler Stefan Strumbel 2010 auf einen Schlag bekannt geworden. Strumbel hatte die selbsternannten Gralshüter der Kuckucksuhr vor den Kopf gestoßen. Von Gewaltverherrlichung war die Rede.
Ein bisschen verwunderlich war die Aufregung schon. Sind doch viele traditionelle Schwarzwalduhren mit ihren geschnitzten Jagdtrophäen nicht gerade der Inbegriff einer friedlichen Idylle.
Detail der Kuckucksuhr mit Kanonen, Pistolen, Fahnen und Siegeskranz als Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870.
Die militärische Aufrüstung der Kuckucksuhr à la Strumbel ist übrigens alles andere als neu: Schon im Deutschen Kaiserreich ergötzten sich Bürger an Uhren, die wie das obige Stück den Sieg über Frankreich 1870 feierten.
Anstelle von toten Tieren wie bei dem klassischen Schwarzwaldsouvenir zieren dieses geschnitzte Uhrenschild eine Marschtrommel vor zwei gekreuzten Fahnen sowie Kanonenrohre und Pistolen. Auf der Bekrönung prunkt anstelle eines Hirschgeweihs das badische Wappen. Um die nationalistische Symbolik noch zu unterstreichen, wurde die Uhr reich mit Laubwerk einer „deutschen“ Eiche dekoriert.
Wer sagt also, dass Symbole von Gewalt und Zerstörung keine heimelige Zierde für die gute Stube sein können?
Objekt des Monats November 2016
Wanduhr mit Kuckuck und geschnitztem Schild, zusammengefügt durch Robert Hermann, Furtwangen, um 1950, Inv. 03-2202
Fast jeder Museumsleiter träumt davon, die schönsten, ältesten und wertvollsten Objekte zu besitzen. So erstaunt es kaum, dass ein früherer Direktor sofort zugriff, als auf dem Markt eine einzigartige Kuckucksuhr aus dem 18. Jahrhundert auftauchte.
Wunschvorstellungen sind oft über jeden Zweifel erhaben. Und so wurde der „Barock-Kuckuck“ zur bildmächtigen Ikone des Deutschen Uhrenmuseums aufgebaut. Kaum eine Publikation oder Werbeanzeige kam ohne diese einzigartige Uhr aus.
Ein späterer Museumsleiter schaute genauer hin und stellte fest: Die Kuckucksuhr ist eine plumpe Fälschung. Nichts passt zusammen. Das Zifferblatt stammt möglicherweise aus dem 18. Jahrhundert, das Werk aus dem 19. Jahrhundert, die Zeiger vielleicht erst aus dem 20. Jahrhundert. Und der knuffige Kuckuck? Auch er wurde bestimmt nicht im Zeitalter der Aufklärung gefertigt, wie die Uhr so gerne glauben machen würde.
Schleunigst wurde die fragwürdige Uhr ins dunkle Depot verbannt. Für einen Monat durfte sie 2016 ausnahmsweise wieder ans Tageslicht – als Mahnung, bei zukünftigen Ankäufen wachsamer zu sein.


