Uhrmacherei – Immaterielles Kulturerbe!

2021 wurde die Uhrmacherei in die Liste des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen. Das war auch dringend nötig, denn wie viele traditionelle Handwerke steht die Uhrmacherei einem mächtigen Feind gegenüber – dem Vergessen.

Was ist immaterielles Kulturerbe?

Anders als Bauwerke oder Gegenstände von hohem kulturellen Wert existiert das immaterielle Kulturerbe nur, solange es ausgeübt und gelebt wird. Dazu gehören beispielsweise traditionelle Feste, Tänze, Sprachen, mündlich überliefertes Wissen und eben auch Handwerkstechniken wie die Uhrmacherei.

Dieses Kulturerbe ist heute häufig bedroht. Anders als für Gebäude oder

Meisterprüfungs-Zeugnis des Uhrmachers Wilhelm Zuckschwert vom 15. September 1926 (Ein Klick vergrößert die Ansicht)

Denkmäler, die unter saurem Regen, Vandalismus oder rücksichtslosen Stadtplanern leiden, besteht die Gefahr für das immaterielle Kulturerbe in erster Linie im Vergessen. Wird eine Sprache nicht mehr gesprochen oder ein Fest nicht mehr gefeiert, verschwindet damit ein wichtiger Teil einer Kultur – einfach durch Nichtstun.

Deshalb ist es so wichtig, dass dieser Teil der Kultur aktiv gepflegt wird. Doch um etwas wertschätzen zu können, muss zunächst das Bewusstsein dafür vorhanden sein. Mit der Aufnahme des Uhrmacherhandwerks in die Liste des immateriellen Kulturerbes ist dafür ein erster Schritt getan.

Uhrmacherei in Furtwangen – bis heute

Die Schwarzwälder Uhrmacherei kann auf eine Geschichte von über 300 Jahren zurückblicken, mit Furtwangen im geographischen Zentrum der Schwarzwälder Uhrenregion. Während dieser Zeit war die Uhrmacherei lange kein “Kulturerbe”, sondern täglich ausgeübter Beruf zum Broterwerb für tausende Menschen.

Wie sehr sich diese Bedeutung inzwischen verschoben hat, zeigt sich beispielsweise an der Uhrmacherschule in Furtwangen. Seit ihrer (Neu-)Gründung im Jahre 1877 entwickelte sie sich von einer Ausbildungsstätte für Uhrmacherei zur Staatlichen Ingenieursschule, später Fachhochschule und schließlich zur Hochschule Furtwangen University (HFU). 1963 wurde die “Berufsfachschule” von der “Ingenieurschule” getrennt und die Uhrmacherei verschwand aus dem Lehrplan.

Uhrmacherschüler an der staatlichen Uhrmacherschule in Furtwangen, Photographie um 1930 (Archiv Deutsches Uhrenmuseum)

Heute wird Uhrmacherei in Furtwangen an der Robert-Gerwig-Schule gelehrt. Dieses Berufsschulzentrum ist der Nachfolger der Berufsfachschule und bietet neben der Ausbildung zum Uhrmacher unter anderem auch Ausbildungsgänge zum Feinwerkmechaniker oder Systemelektroniker. Absolventen arbeiten beispielsweise in der Schweizer Uhrenindustrie oder eröffnen ihre eigene Werkstatt. Zum Glück werden hier jedes Jahr neue Uhrmacherinnen und Uhrmacher ausgebildet und damit das Wissen um dieses alte Handwerk am Leben erhalten – nicht nur als Liebhaberei oder Hobby, sondern als praktischer Beruf. Und ganz nebenbei wird der eine oder andere Schüler bei uns freier Mitarbeiter und bereichert unser Kollegium an Wochenenden und Feiertagen.

Oliver Hambel und Joshua Becker, beide Absolventen der Robert-Gerwig-Schule im Fach Uhrmacherei, vor ihrer 2019 eröffneten Werkstatt.

 

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