Fasnet im uhrenmachenden Schwarzwald

Heute ist es endlich wieder so weit: Mit dem „Gschmutzige Dunschdig“ beginnen die „hohen Tage“ der Straßenfasnet. Jetzt übernehmen die Narren die Regierung in und rund um Furtwangen. Das bunte Treiben in den Straßen lockt nicht nur Hexen oder Spättle vor die Tür: Auch „uhrige“ Gestalten sind dabei.

Die Gütenbacher Jockele beim Umzug, Foto: Matthias Hüttlin.

Die Gütenbacher Jockele

Die lange Tradition der Uhrmacherei in ihrem Herkunftsort steht der Gütenbacher Jockele-Zunft ins Gesicht geschrieben: Alle Larven sind vollkommen einzigartig. Doch jede trägt einen Ziffernring wie eine Art Bart um den Mund und erinnert damit an das einst florierende Gewerbe in Gütenbach. Auch in Form der Gewichte an Uhrenketten oder der Pendel mit Tannenzweig schwingt diese Vergangenheit mit.

Die Schwenninger Hansel

Eine weitere regionale Fasnachts-Figur, die im Zeichen der Uhrmacherei steht, ist der Schwenninger Hansel. Das Gewand der Weißnarren ziert ein Uhrenhändler, der bis heute fest zur Folklore der ehemaligen Uhrmacherregion gehört. Er soll auf dem Hansele-Häs die einst bedeutende Uhrenindustrie in Schwenningen symbolisieren.

Schwenninger Hansel beim Umzug, Foto: Andreas Praefcke (CC BY 3.0)

Wie die Gütenbacher tragen auch die Schwenninger Narros ein Pendel bei sich. Und in diesem Fall kommt hier auch gleich noch die Lieblingszeit der Narren zum Vorschein: Eine Seite der Pendelscheibe zeigt ein Zifferblatt mit der Uhrzeit 11:11.

Ein Gütenbacher Jockele, Foto: Matthias Hüttlin.

Gütenbacher Jockele und Schwenninger Hansel sind in ihrer heutigen Form im 20. Jahrhundert entstanden. Fasnachtsbräuche existierten jedoch schon früher und schon im 19. Jahrhundert waren Bezüge zur Uhrmacherei spürbar.

Der Vöhrenbacher Fasnets-Mendig Umzug 1863

Unter dem Motto „Das Volkslied auf der Drehorgel mit lebendigen Automaten und obligaten „Knöpflefresser“, fand am 16. Februar 1863 der Vöhrenbacher Fasnets-Mendig Umzug statt. Erst wenige Jahre zuvor waren Automatenuhren wie „Knöpflefresser“, „Trinker“ und Co. im Schwarzwald in Mode gekommen. Nun dienten sie als lebendige Fasnachtsfiguren auf Umzugswägen zur Belustigung der Zuschauerinnen und Zuschauer.

Zeichnung des “Knöpflefresser”-Wagens 1863. Herzlichen Dank für das Bild an die Heimatgilde Frohsinn!

Das war allerdings eine einmalige Angelegenheit. Als Fasnachtsfiguren kennt man die beiden heute nicht mehr. Doch auf den Schwarzwälder Schaufensteruhren im Deutschen Uhrenmuseum sind sie in bester Gesellschaft anderer Figurenuhren immer noch zu sehen. Hier auch online:

 

Wir wünschen allen Närrinnen und Narren eine glückselige Fasnet 2020!

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