Kuckucksuhren im 20. Jahrhundert

 

Jockele-Uhr, das preiswerte Souvenir (aus einem Prospekt für Schyle-Uhren, Schonach, 1930er Jahre)

Was halten Sie von der Kuckucksuhr? Schick oder scheußlich? Geschmacksverirrung oder Designerstück? Die Meinungen darüber gehen weit auseinander, nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Varianten, die heute hergestellt werden. Die Kuckucksuhr ist immer noch eines der bekanntesten Markenzeichen des Schwarzwaldes. Doch wie erging es dem Kuckuck in den letzten hundert Jahren?

Die Kuckucksuhr des kleinen Mannes

In den späten 1920er Jahren galt die Uhr mit dem Vogelruf als Inbegriff schlechten Geschmacks. Der „Neuen Sachlichkeit“ war die Kuckucksuhr mit ihren überbordenden Tier- und Pflanzenschnitzereien ein Graus. Gleichzeitig bahnte sich ein Comeback an, denn in den Jahren zwischen den Weltkriegen kamen zunehmend mehr Touristen in den Schwarzwald. Das Souvenirgeschäft änderte sich grundlegend. Die weniger kaufkräftigen Reisenden verlangten nach preisgünstigen Andenken.

Neu war das Angebot an billigen „Jockele-Uhren“, kleinen Souveniruhren mit einfachster Technik und bedrucktem oder geschnitztem Uhrenschild. Der Preis war das ausschlaggebende Argument, nicht die Qualität von Werk und Schnitzerei. Dazu passt, dass viele Jockele-Uhren nur mehr die klassische Bahnhäusle-Uhr nachahmten, aber in der Regel gar keinen Kuckucksruf mehr hatten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach Kriegsende fand man Kuckucksuhren wieder in größerer Zahl in den Uhrengeschäften. 1953 wurden knapp 400.000 Stück Kuckucksuhren über den Uhren- und Souvenirhandel verkauft.

Die Kuckucksuhr wird bunter (Prospekt der Firma Kuner, um 1960)

Viele Kuckucksuhren hatten nun erstmals einen Rechenschlag. Der entscheidende Vorteil dieser Steuerung: Der Kuckuck rief automatisch die korrekte Stunde, auch wenn die Uhr einmal stehen geblieben war. Neben der Badischen Uhrenfabrik entwickelte sich SBS Feintechnik in Schonach mit der Marke „Regula“ zum führenden Anbieter von Kuckucksuhrwerken.

Während die Zahl der Werkvarianten abnahm, stieg gleichzeitig die der Gehäuse. Kuckucksuhren gab es dunkel gebeizt, gern auch in kräftigen Farben oder auf alt getrimmt.

Wichtigste Stütze des Kuckucksuhrenmarktes war der amerikanische Markt. Durch die Dollarschwäche und den Abzug der Alliierten nach der Wiedervereinigung gingen die Verkäufe drastisch zurück. Nach dem Terrorangriff auf das New Yorker Welthandelszentrum am 11. September 2001 blieb schlagartig auch der verbliebene Rest amerikanischer Touristen weg.

Die Kuckucksuhr heute

Statt dem Kuckuck grunzt hier das Schwein (Coo Clock, Heads Up Design, 2013)

Heute erreicht die jährliche Produktion nur einen Bruchteil früherer Zeiten. Der einzig verbliebene größere Werkeproduzent SBS Feintechnik stellt pro Jahr gerade noch 120.000 Stück her, einschließlich anderer mechanischer Uhrwerke.

Inzwischen ist die Schwarzwälder Kuckucksuhr eine durch die Europäische Union geschützte regionale Qualitätsbezeichnung wie Roquefortkäse oder Parmaschinken. Nur wenn der überwiegende Teil der Uhr aus dem Schwarzwald kommt, darf sie als „Schwarzwälder Kuckucksuhr“ bezeichnet werden.

In den letzten Jahren erlebt die Kuckucksuhr eine Renaissance. Poppige Varianten des klassischen Designs sind gefragte Lifestyleobjekte, die die Tradition mit einem Augenzwinkern interpretieren.

 

Was denken Sie über den Schwarzwälder Kuckuck? Stylisch oder altbacken? Klassisches Souvenir oder Kitsch? Schreiben Sie es uns als Kommentar!

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