Die erste Apple Watch von 2015 gilt als Meilenstein unter den Smartwatches. Schnell entwickelte sich Apple zum Marktführer. Neben der Funktionalität der Uhren war dafür das geniale Verpackungsdesign verantwortlich. Wir zeigen das in einem Unboxing-Video einer noch original versiegelten Smartwatch.
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New Old Stock
New Old Stock. Bei diesen drei Worten bekommen viele Sammler glänzende Augen. Weist die Bezeichnung doch darauf hin, dass es sich um ein historisches Stück handelt, dass nie verkauft wurde.
Auch das Deutsche Uhrenmuseum erwirbt gerne solche Ladenhüter. Denn der Zustand der Uhren ist meist hervorragend. Im Idealfall ist noch die Verpackung samt Gebrauchsanweisung und Garantieurkunde dabei. Diese „Beipackzettel“ können wichtige Informationen über die Uhr enthalten. Auch atmet die Gestaltung der Verpackung häufig noch deutlicher den Zeitgeist der Entstehungszeit als das eigentliche Produkt.
Wieso eine Apple Watch der 1. Generation?
Apple Watch Sport 7000 Series Modell A1554, 2015, Inv. 2025-013. Aus der 1. Generation.
Es dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben: Wir sammeln nicht nur traditionelle Uhren, sondern dokumentieren gleichermaßen aktuelle Entwicklungen. So sind für uns Smartwatches die legitimen Nachfolger der klassischen „Wearables“ unter den Zeitmessern, den Taschen- und Armbanduhren. Aber welche Stücke aus dem schier endlosen Angebot sollen wir in die Sammlung aufnehmen? Welche Smartwatches repräsentieren die Entwicklung am besten?
Zu den unbestritten zentralen Stücken gehört sicherlich die erste Generation der Apple Watch. Denn sie steht nicht nur für den Markteintritt des späteren Marktführers, sondern für den kommerziellen Durchbruch der Smartwatches insgesamt. Schließlich ist Apple heute – wenn man die Smartphones einrechnet – der größte Uhrenhersteller weltweit.
Nun konnten wir eine noch originalverpackte Smartwatch der ersten Generation von 2015 erwerben.
Die Uhr
Die Apple Watch „Original“ wurde standardmäßig in einer kleinen Gehäuseversion mit 38 mm als Modell A1553 und – wie unser Exemplar – in einer etwas größeren Variante mit 42 mm als Modell A1554 angeboten. Wie bei allen Smartwatches üblich, kann man die Uhren der „7000 series“ mit unterschiedlichen Wechselarmbändern versehen. Fabrikseitig ist unsere Smartwatch im Museum mit einem hellblauem Silikonband ausgestattet. Auf der Oberseite der eigentlichen Uhr befindet sich ein Display aus gehärtetem Glas, auf der Unterseite sind Sensoren für die Messung von Körperfunktionen zu sehen.
Auf der Rückseite: Die Sensoren
Unboxing
Bevor wir die Uhr in Händen halten konnten, mussten wir uns erst einmal durch verschiedene Umhüllungen kämpfen. Denn bei der Verpackung hat Apple nichts dem Zufall überlassen. Sorgfältig wurden die verschiedenen Materialien ausgewählt. Sie sehen nicht nur edel aus, sondern sie sollen sich auch ganz unterschiedlich anfüllen und „klingen“.
Bei der Apple Watch umgibt eine glatte und glänzende Knisterfolie die weiße Schachtel mit scharfkantigen Kanten und Ecken. Die Oberseite des Deckels mit der rauen Papieroberfläche weist keine gedruckte Beschriftung auf, sondern lediglich das geprägte Firmensignet eines angebissenen Apfels. So kann man den Markennamen eher fühlen als wirklich sehen. Für unseren Fotografen jedenfalls war es keine leichte Aufgabe, dieses Weiß in Weiß aufzunehmen.
Der Deckel. Edles Understatement. Keine Beschriftung. Nur eine dezente Prägung.
Endlos erscheinende sieben Sekunden dauert es, bis sich der Deckel mit einem charakteristischen „Wusch“ von der Schachtel löst! Der Grund dafür: Die Verpackung ist so präzise gearbeitet, dass nur langsam Luft ins Innere strömen kann, um den Unterdruck auszugleichen, der beim Öffnen in der Schachtel entsteht.
Im Innern der Schachtel: ein glattes weißes Kunststoffetui mit der Uhr. Darunter ein Umschlag mit der Gebrauchsanleitung, am Boden das Lade- und Netzgerät.
Der Inhalt der Schachtel mit geöffnetem Etui
Das Etui ist mit einer Versiegelung aus einem milchigen Material, einem speziell behandelten festeren Papier, umgeben. Diese Versiegelung muss an einer Lasche aufgerissen werden, um an die Uhr zu gelangen. Zu sehen ist dann freilich immer noch wenig. Denn das Display und das Aluminiumgehäuse sind unter einem weiteren Schutz aus opaken Papier verborgen. Auch diese letzte Verpackung muss entfernt werden, um die Uhr endlich in Betrieb nehmen zu können.
Wozu das ganze Theater?
Über den Grund für diese Verpackungsorgie ist in Fachkreisen viel nachgedacht worden. Marketingspezialisten begreifen die opulente Umhüllung als Reaktion auf den einschneidenden Wandel im Käuferverhalten, der mit zunehmender Digitalisierung aller Lebensbereiche einhergeht. Denn viele Kunden erwerben High-Tech-Produkte nicht länger im stationären Einzelhandel, sondern online.
Im Netz zu shoppen, hat bekanntermaßen viele Vorteile. Man kann in aller Ruhe vom Sofa aus zu jeder Tages- und Nachtzeit recherchieren, hat die ganze Produktpalette vor Augen und kann sich in der Illusion wiegen, frei zu entscheiden, welches Modell man schließlich bestellt. Der Einzelhandel dagegen bietet meist nur eine Auswahl aus dem Sortiment an, und ob die Beratung ganz objektiv ist oder eher den Interessen des Inhabers folgt, ist auch nicht klar.
Die Verpackung ist unbedruckt. Nur auf einer Schmalseite ein Aufkleber mit Infos.
Neben allen Vorteilen hat der Onlinehandel ein entscheidendes Manko: In die Hand nehmen, spüren, wie sich ein Gegenstand anfühlt – das ist im Internet nicht möglich. So bleibt immer eine gewisse Unsicherheit, ob ein Produkt auch wirklich das erfüllen kann, was es online verspricht.
Um diesen Nachteil auszugleichen und eine sinnliche Verbindung zwischen dem online erworbenen Produkt und dem Käufer herzustellen, beschäftigt sich Apple seit langem intensiv mit dem Prozess des Auspackens. Der frühere Apple-Chef Steve Jobs und sein Designer Jonathan „Jony“ Ive haben die besondere Bedeutung der Verpackung für die Bindung der Kunden an ein Produkt früh erkannt. Ive erinnert sich:
„Steve und ich haben viel Zeit mit der Verpackung verbracht. Ich liebe den Prozess des Auspackens von Produkten. Man entwirft ein Ritual des Auspackens, damit sich das Produkt besonders anfühlt. Verpackung kann Theater sein.“
Durch die edle Gestaltung und die Verwendung hochwertiger Materialien bei der Verpackung soll ein ganz besonderes, einem Theaterbesuch vergleichbares Erlebnis hervorgerufen werden, das alle Sinne anspricht. Besondere Kniffs wie, dass der Unterdruck in der Schachtel die Zeitspanne zum Lösen des Deckels dehnt, dienen dazu, die intensive erste Begegnung mit dem Produkt zu verlängern. Wie bei einem Theaterstück steigt dabei die Spannung. Erst auf dem Höhepunkt der Auspack-Show darf der Kunde die Uhr in die Hand nehmen – begleitet von der Hoffnung der Designer, dass die Faszination dieses Schauspiels auf das eigentliche Produkt und den Hersteller abfärbt.
Das Etui für die Uhr
Wenn auf diese Weise die Bindung an die Marke Apple gestärkt wird, so ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass der Kunde später wieder zu einem Produkt des gleichen Herstellers greifen wird. Diese Rechnung scheint aufzugehen: Viele Erstkäufer wurden zu „Wiederholungstätern“. Und eine überwiegende Mehrzahl wirft die Apple-Verpackungen nicht einfach weg, sondern bewahrt sie sogar dauerhaft auf! Die Kunden haben intuitiv erkannt, dass die Umhüllung ein integraler Teil des Produkts ist.
Natürlich ist diese großartige Chance, die Verpackung für die Markenkommunikation zu nutzen, auch anderen Tech-Konzernen nicht verborgen geblieben. Apple jedoch und insbesondere der ehemalige Chefdesigner Jony Ive haben den Kult um die Hülle schon in den 2000er Jahren beim Musicplayer iPod und dem iPhone zu einer ungeahnten Perfektion getrieben.
Der Film Unboxing Apple Watch 1. Generation
Das komplette Auspacktheater ist nur beim ersten Mal zu erleben. Sind Folien und Versiegelungen einmal entfernt, können sie nicht mehr wieder hergestellt werden. Deshalb haben wir ein Video aufgenommen, das auf anderthalb Minuten Länge die wichtigsten Schritte beim ersten Auspacken dokumentiert. Formal orientiert sich unser Film an klassischen Unboxing-Videos im fast schon altmodischen Format 16:9, die sich mit dem zunehmenden Online-Handel vor zwei Jahrzehnten in großer Zahl auf Plattformen wie Youtube breitgemacht hatten.
Viel Spaß beim Anschauen wünscht das Deutsche Uhrenmuseum!



