170 Jahre Deutsches Uhrenmuseum, Teil 1: 1852-1945

Die Sammlung des Deutschen Uhrenmuseums feiert in diesem Jahr ihr 170-jähriges Bestehen. Damit gehört sie zu den ältesten Techniksammlungen überhaupt.
Alles begann 1852:

Alte Uhren zeugen vom Gewerbefleiss im Schwarzwald

Im August 1852 veröffentlichte die Großherzogliche Uhrenmacherschule in Furtwangen einen Aufruf: Die Bevölkerung solle bei der Schule „Uhren aus allen Perioden der Kunst“ abgeben. Denn für die Eigentümer seien die alten Zeitmesser oft belanglos, für die Öffentlichkeit dagegen von größtem Wert, schrieb Robert Gerwig als Gründungsdirektor der Schule.

Der vielseitige Ingenieur aus Karlsruhe hegte lebhaftes Interesse für alles, was für technischen Fortschritt stand. Der kriselnden Uhrenherstellung im Schwarzwald sollten neue Wege eröffnet werden. So war Gerwig im Frühjahr 1851 zur Weltausstellung nach London gereist, um zukunftsweisende Uhren für den Unterricht an der Uhrmacherschule anzukaufen.

Eisenbahnfreunde denken bei dem Namen Gerwig sofort an die Schwarzwaldbahn, die von ihm konstruiert wurde. Auch bei zahlreichen Straßenprojekten im Schwarzwald, der Höllentalbahn und dem Gotthard-Tunnel war Robert Gerwig in späteren Jahren beteiligt.


Historische Uhren kosteten keinen Eintritt

aus: Furtwanger Bildgeschichten, Vöhrenbach 2000.

Schon bald reichten Schwarzwälder Bürger zahlreiche alte Zeitmesser ein. Sie bildeten den Grundstock des Deutschen Uhrenmuseums. 1858 wurde die Sammlung zum ersten Mal auf der Schwarzwälder Industrieausstellung in Villingen ausgestellt.  Anschließend wurde die Sammlung im ersten Gebäude der Uhrmacherschule in der Allmendstraße gezeigt. Heute befindet sich an der Stelle des Schulgebäudes ein Autohaus.

Ab 1874 zogen die Uhren um in die neu erbaute Gewerbehalle,  und gelangten damit in die Obhut des Landesgewerbeamts. Sie stand ziemlich genau am Standort des heutigen Museums.

Gewerbehalle Furtwangen im Festschmuck…

Die Halle bot eine Leistungsschau der Uhrenindustrie und anderer Industriezweige vor Ort. Die historischen Uhren waren in den großfenstrigen Flügelbauten ausgestellt, und kostenfrei zu besichtigen.

…und um 1900.

Von der Sammlung zum Museum

Der Ruf der Sammlung stützte sich bald auch auf hochkarätige Stücke aus dem 18. Jahrhundert: Die faszinierende Planetariumsuhr (1774) von Philipp Matthäus Hahn kam bereits 1865 nach Furtwangen. Sie bildete das Kernstück der ersten Präsentation. Auf dieser Aufnahme um 1935 hatte sie ihren Platz in der Mitte des linken Museumsflügels.

Aufseher Friedrich Staiger (rechts) erklärt die Planetariumsuhr von Philipp Matthäus Hahn, um 1935

Auch die astronomisch-geographische Uhr von Pater Thaddäus Rinderle (1787), die wohl berühmteste Schwarzwalduhr, sei hier kurz erwähnt. Ihre bewegte Geschichte hat einen eigenen Blogbeitrag.

Hier einige Eindrücke der Ausstellung aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Veraltete Lehrmodelle und Geschenke von Schwarzwälder Uhrenfabriken gliederte man gerne in den Bestand ein, und so wuchs die historische Sammlung auf über 1000 Objekte bis 1925. Auch Zeitmesser aus Frankreich, der Schweiz und den Vereinigten Staaten waren dabei. Sie erweiterten das Spektrum der Sammlung über die ursprünglich regionale Orientierung hinaus.

Vom Museum zur touristischen Attraktion

Bereits in den 1870er Jahren finden sich in Reiseführern erste Einträge zur Uhrenausstellung. Später wird die Furtwanger Attraktion am Hauptsitz der feineren Uhrenfabrikation fester Bestandteil des Schwarzwaldtourismus.
Für das Jahr 1938 ist eine Besucherzahl bekannt: Rund 12.000 Gäste wurden gezählt. Der Museumswart Joseph Späth übernahm auch Führungen.

 

Ende Teil 1 von 2 /
Teil 2: Ab 1945 kommt Bewegung in die Sammlung. Hier geht’s weiter.

Kommentar verfassen