Danke, Hubert Herr!

Echte Traditionsunternehmen werden immer seltener. 2020 wurde der Schwarzwald um eine solche Firma ärmer: Nach über 100 Jahren Firmengeschichte schloss die Firma Hubert Herr ihre Tore. Doch aus dem Nachlass kamen einige ausgewählte Stücke ins Deutsche Uhrenmuseum und bereichern nun unsere Sammlung.

 

Firmengründer Hubert Herr, Portrait eines unbekannten Malers, 1930er Jahre

Das Unternehmen aus Triberg an der Deutschen Uhrenstraße war spezialisiert auf traditionelle Schwarzwälder Kuckucksuhren. Es war eine der letzten klassischen Uhrenfirmen im Schwarzwald, mit der kompletten Produktion unter einem Dach. Sowohl die Uhrwerke, als auch die Schnitzereien und Gehäuse wurden dort hergestellt. Zuletzt wurde sie von den Enkeln des Firmengründers geführt.

 

Ein Traditionsunternehmen

Als Hubert Herr sein Unternehmen gründete, musste er nicht bei Null beginnen. Schon sein Vater Eduard war seit 1879 Inhaber einer Firma für Kuckucksuhren. Während die Firma „Eduard Herr Söhne“ noch bis mindestens 1949 weiterbestand, machte Sohn Hubert sich 1918 mit einer eigenen Werkstatt für Schnitzereien und Gehäuse selbständig. Mit der Zeit wurde die Produktion auch um die benötigten Uhrwerke erweitert, sodass komplette Uhren gebaut werden konnten.

Belegschaft der Firma “Eduard Herr Söhne”; Hubert Herr steht ganz rechts außen (Photographie um 1910, Familienbesitz)
Zum Vergleich: Eine Kuckucksuhr von Herr aus einem Katalog der 1920er Jahre…

In den letzten Jahren war Herr der einzige Hersteller im Schwarzwald, der Kuckucksuhren komplett im eigenen Betrieb fertigen konnte: Dies fing bei Platinen und Draht für die Uhrwerke an, ging weiter über die geschnitzten Uhrenschilder bis zur Lackierung mit Wachsfarben (statt Acrylfarben). Für die Schnitzereien stand gut abgelagertes Massivholz aus dem firmeneigenen Lager zur Verfügung.

 

…und eine aus einem Katalog von 1994. Ein Klick vergrößert die Abbildungen zur besseren Ansicht.

Traditionelle Fertigung und Modernisierung gingen hier immer auch Hand in Hand. Neben der modernen Holzheizung, die Holzabfälle verwertete, war bis Januar 2020 noch die AEG-Wasserturbine aus dem Jahr 1906 in Betrieb. Doch es fehlte der unternehmerische Nachwuchs. Ohne eine gesicherte Nachfolge hat sich die Geschäftsleitung entschlossen, die Firma aufzulösen und das Inventar zu versteigern. Das Deutsche Uhrenmuseum hat aus dieser Versteigerung unter anderem den Riesenkuckuck erworben, der seit August die Besucher begrüßt hat.

Außerdem haben wir einige Geschenke erhalten. Besonders wertvoll für uns als Museum sind  einige alte Verkaufskataloge. Sie zeigen auf einzigartige Weise die Vielfalt der Uhrenentwürfe und den Wechsel der Moden. Früher wurden sie meist achtlos weggeworfen, wenn sie nicht mehr aktuell waren, deshalb sind sie heute nur noch in ganz wenigen Exemplaren vorhanden.

Ebenso einzigartig sind einige Stücke aus dem Musterzimmer der Firma, wo sich die Einkäufer der Uhrengeschäfte bei Ihren Reisen in den Schwarzwald über die aktuelle Produktion informieren konnten. Die von uns ausgewählten Verkaufshilfen zeigen zum Teil das Innere der Uhrwerke, aber auch Variationen des Kuckucks in einer “Kuckucks-Parade”.

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