Das Deutsche Uhrenmuseum zu Gast im Eisenbahnmuseum Mulhouse

Einmal im Jahr verlassen wir unsere Wirkungsstätte in Furtwangen, um einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Bei einer Bildungsfahrt in ein anderes Museum entdecken wir aus Besuchersicht die Arbeit einer anderen Institution. Dieses Jahr ging es nach Mulhouse – möchten Sie uns bei unserem „Ausflug“ begleiten?

Im elsässischen Mulhouse/Mülhausen gibt es mehrere sehenswerte Museen, doch unsere Wahl fiel auf die Cité du Train. So wie Furtwangen mit dem Deutschen Uhrenmuseum der Anlaufpunkt für die Uhrengeschichte in Deutschland ist, steht in Mulhouse das Eisenbahnmuseum für Frankreich schlechthin. Und es gibt eine weitere Parallele: Es zeigt einen bedeutenden Teil der Industrie- und Technikgeschichte, der in Alltag und Lebenswelt aller Menschen eingegriffen, sie tiefgreifend geprägt und verändert hat.

Für so große Ausstellungsstücke wie Eisenbahnen braucht es ein großes Gebäude – unsere Reisegruppe nimmt sich im Vergleich dazu recht klein aus.

Betritt man die erste Halle, steht man im Halbdunkel gleich den ersten Lokomotiven gegenüber. Aus Lautsprechern ertönen Geräusche, die einen Eindruck vom Lärmpegel der historischen Fahrzeuge auf dem Bahnsteig geben. Ein gemischter Gepäck- und Passagierwagen aus dem Jahr 1910 und eine Pariser Metro aus den 1920er-Jahren können von innen betreten werden und deuten an, wie das Reisen per Bahn vor hundert Jahren ausgesehen, sich angefühlt und sogar gerochen hat.

Wer die heutige Pariser Metro kennt, wird auf diesem Plan aus den 1920er Jahren einiges wiedererkennen.
Vom Blick in den Führerstand einer Dampflok um 1900…

Nach diesem Einblick in das Reiseerlebnis der „Goldenen Eisenbahnzeit“ in Frankreich kommt eine deutlich größere Halle, die im Gegensatz zur ersten leider nicht geheizt ist. Gerade im Winter sollte man sich für den Besuch also warm anziehen. Doch es lohnt sich: Chronologisch wird hier anhand der ausgestellten Lokomotiven und Wagen die technische Entwicklung der Eisenbahnen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gezeigt.

…zum Innenleben einer Elektrolok von 1933, die bis 1980 noch im Dienst war.

Für Eisenbahnkenner eröffnet sich ein Paradies; der nicht eingeweihte Besucher dagegen wird leicht überfordert von der technischen Komplexität. Für den Besuch sollte deshalb am besten eine Führung gebucht werden, die den Blick auf Details und Zusammenhänge lenkt.

Neben Eisenbahnen gibt es nochviel mehr zu sehen, das mit dem Thema zu tun hat: Bahnsteige, Maschinen, Werkzeuge, Signalmasten…
Eine besondere Kuriosität: die Draisine eines Gleisinspektors um 1845, aus der Frühzeit der französischen Eisenbahngeschichte.

 

Nach dem Besuch der Cité du Train hatten wir noch Gelegenheit, die Innenstadt von Mulhouse zu erkunden – und auch hier gibt es weitere Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Das Stoffdruckmuseum, das sich dem einstmals bedeutendsten Industriezweig der Stadt widmet, oder das Stadtmuseum im historischen Rathaus, das neben einer umfangreichen archäologischen Sammlung auch mit freiem Eintritt lockt, sind nur zwei Beispiele.

 

Damit so eine Bildungsfahrt funktioniert und wir trotzdem unserem Anspruch gerecht werden, 365 Tage im Jahr geöffnet zu haben, braucht es immer ein paar Freiwillige, die an diesem Tag auf die Fahrt verzichten und das Museum offenhalten. An dieser Stelle einen herzlichen Dank dafür!

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