Keine zu klein, ein Schwarzwald-Ührchen zu sein

Wie süß sind die denn? Nippuhren aus dem Schwarzwald sind echte Wanduhren, klitzeklein, mit Mechanik und Pendelchen. Das Ganze passt problemlos in eine Zigarettenschachtel.

Nippuhren aus dem Schwarzwald, vor allem die der Firma Wintermantel, haben seit fast einem Jahrhundert Konjunktur. Sie stehen im Souvenir-Bereich für erschwingliche Ührchen in angemessener Qualität. Ihre kleinen Messingwerke lassen sich mit Miniaturschlüsselchen aufziehen. Das Hantieren mit der kleinen Mechanik macht einfach Spaß, die Autorin fühlt sich dabei erinnert an das Stylen von Mini-Mahlzeiten an Mini-Herden.

nur 78mm Höhe misst das Uhrenschild

Unter anderem Albert Wintermantel baute in Triberg kleinste Federzugwerke für Nipp- und Miniaturuhren. Er entwickelte ein Uhrwerk, das 30 Stunden Laufzeit versprach und geschützt in einer kleinen Messingdose montiert war.  Zierketten und -gewichte ergänzten das Uhrenschild; ein kleines Pendel tickte und machte die Wanduhr perfekt. Natürlich hat die Konkurrenz nicht geschlafen. Auch andere Uhrenhersteller bauten solche kleinen Souvenirührchen. Heute noch bietet die Firma Engstler in Villingen-Schwenningen eine ganze Palette dieser Miniatur-Pendeluhren an.

Ein Hingucker sind die Emailleschilder

Die Motive der Zifferblätter sind überraschend vielfältig. Neben Motiven aus dem Schwarzwald finden sich auch Sehenswürdigkeiten aus anderen Ländern. Ebenfalls beliebt waren Märchenszenen oder florale Motive, die an Küchenuhren erinnern. Die Zifferblätter (1930er – 1950er Jahre) lassen sich mit Klick vergrößern:

Alte Wintermantel-Uhren sind heute Sammlerstücke.

Manche Motive haben Seltenheitswert: Das Wahrzeichen Dublins, “The Pillar”, war eine fast 50 Meter hohe Granitsäule.  Bis 1966, denn da wurde sie in einem nächtlichen Anschlag von jungen IRA-Aktivisten gesprengt: Sie ist heute buchstäblich – Geschichte. Auf dem Zifferblatt dieser Schwarzwälder Miniaturuhr ist die Welt noch in Ordnung:

Nelson Pillar heißt die 1809 erbaute Säule in Dublin mit dem Standbild Admiral Nelsons sowie einer Aussichtsplattform. Links im Bild ist die Tempelfront des General Post Office erkennbar. Die Szene wird belebt von Autos, Doppeldeckern und Droschken.

Fast einhundert Jahre Tradition

1924 gründete Albert Wintermantel seine Werkstatt in Triberg. Sein Handwerk hatte er an der staatlichen Uhrmacherschule Furtwangen gelernt. Nun spezialisierte er sich erfolgreich auf kostengünstige Uhren für den touristischen Bereich.

Auch heute weiter gefertigt: Wintermantel-Werk 46mm. Katalogfoto von 1991

In den 1950er Jahren übernahmen seine Söhne die Firma, die inzwischen meist zwischen 30 bis 40 Mitarbeiter beschäftigte. Doch die Krise der Schwarzwälder Uhrenindustrie verschonte auch diesen Betrieb nicht, um 1986 wurde er geschlossen. Werkzeugausstattung und Vorlagen übernahm später das katholische Sozialwerk in Freiburg.  Ein Glücksfall, denn bis heute werden die Uhren in den Werkstätten von Menschen mit Behinderungen gefertigt.

Die modernen Werke ticken heute gut sichtbar in einer transparenten Box hinter dem jeweiligen Zifferblatt. Das aktuelle Sortiment der Caritas umfasst neben Emailleührchen nach alten Vorlagen auch neue Motive, sowie kleine, von Kuckucksuhren inspirierte Zifferblätter.
Auch im Shop des Deutschen Uhrenmuseums sind einige dieser Modelle zu finden.

 

 

Ein Kommentar zu „Keine zu klein, ein Schwarzwald-Ührchen zu sein

Kommentar verfassen