365 Tage geöffnet

“…und montags auch?” Dies ist die fast reflexartige Nachfrage, wenn am Telefon die Öffnungszeiten diskutiert werden. Tatsächlich: Es gibt im Deutschen Uhrenmuseum keinen einzigen Schließtag! Wie wird das realisiert? Gespräche an der Museumskasse und ein Blick hinter die Kulissen.

 

Selbst der Louvre schließt montags!

Montag ist der klassische Schließtag: Immerhin 91% der Museen in Deutschland haben an diesem Wochentag geschlossen, notiert das Institut für Museumsforschung. Und man kann lange suchen, um ein Museum zu finden, das wirklich jeden Tag der Woche geöffnet ist. Nur ganz wenige große Häuser wie das Deutsche Historische Museum in Berlin oder die Tate Gallery in London gehören dazu.

365 Tage geöffnet, das ist ein Angebot an die Region, ein Bekenntnis des Hauses zum Standort Schwarzwald. Genau mittendrin liegt Furtwangen, Kilometer von der Autobahn entfernt: Dieser Weg soll sich lohnen! Seit 2006 ist das Museum ganzjährig geöffnet. „Wie ein Uhrwerk“, so der spontane Vergleich eines überraschten Journalisten, „läuft das Museum das ganze Jahr über“.

„Oft werden wir gefragt, ob wir jeden Tag an der Kasse stehen. Im Prinzip ja!“

Der Eintritt und die gesamten Shop-Verkäufe laufen über eine einzige Kasse. Vor allem in stressigen Situationen macht sich dann langjährige Erfahrung bezahlt.

Rita Reiser weiß, wovon sie spricht: „Wir alle arbeiten auch am Sonntag und an Feiertagen. Von Urlaub, Ausfällen oder Mehrarbeit bekommen die Museumsbesucher nichts mit. Unser Viererteam an der Kasse deckt die Öffnungszeiten in einem ausgefeilten System ab. Und es funktioniert, weil wir immer wieder kurzfristig für eine Kollegin einspringen können.“

 

Aber wer möchte denn an Heiligabend oder Sylvester ins Museum? Auch Monika Bachner führt die Museumskasse an Feiertagen: „Über Weihnachten kommen vermehrt Reisegruppen mit alleinstehenden Gästen. Gerade an Heiligabend ist Fingerspitzengefühl gefragt. Deshalb entscheiden die Reiseleiter oft erst am 24. Dezember, wohin es geht. Sie kommen in unser Museum, da es eines der wenigen nicht-weihnachtlichen Angebote ist!“ Andere Weihnachtsbesucher sind Einheimische: Familienmitglieder, die bei den Festvorbereitungen „daheim im Weg stehen“, und das Museum daher besonders schätzen.

Wird denn der Montag genutzt?

Ja, besonders, wenn das Wetter im Schwarzwald schlecht ist, dann sind die Urlauber oft richtig dankbar. Es ist der klassische kurzfristige Besuchstag. Luft nach oben bleibt: Langjährig kommen montags etwa 10% weniger Besucher als an anderen Wochentagen.

Spanisch- und französischsprachige Mitarbeitende gesucht!

Fremdsprachen sind an Feiertagen gerade um Ostern und im Mai extrem gefragt, auch übers Jahr machen sie etwa 40% aller Führungen aus. Je nach Stand der Anmeldungen werden die Führungen auf Französisch, Spanisch oder Englisch eingeplant. Ganz wichtig sind deshalb Mitarbeitende mit internationalem Hintergrund: Aktuell zählen zum Team Menschen aus Italien, Luxemburg, Rumänien und Brasilien. Wie kommen die alle in den Schwarzwald? Von Vorteil ist, dass etliche Studierende der Hochschule Furtwangen internationalen Hintergrund haben, das gleiche gilt für die Uhrmacherausbildung und die Industrie.  über zwanzig Personen arbeiten als freie Kräfte im Deutschen Uhrenmuseum – und werden vom Museum aus den eigenen Einnahmen finanziert.

An dieser Stelle möchten wir unseren Mitarbeiterinnen an der Kasse und unseren freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unseren besonderen Dank aussprechen. Ohne ihren ständigen Einsatz, ihre langjährige Erfahrung, ihre Flexibilität und ihre Bereitschaft zur Arbeit an Wochenenden und Feiertagen könnte unser Museum nur einen Bruchteil seiner Leistungen erbringen!

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