Auf der Furtwanger Antik-Uhrenbörse treffen sich 2026 am letzten Augustwochenende wieder Händler und Sammler aus ganz Europa. Ein Highlight: Das Deutsche Uhrenmuseum und sein Förderverein zeigen am gemeinsamen Stand eine ganz besondere Kuckucksuhr.
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Erworben vom Förderverein
Kuckucksuhren gibt es in unzähligen Varianten. Und immer wieder tauchen neue Varianten auf, die selbst Kenner noch nie gesehen haben. Ein gutes Beispiel dafür ist die prächtig verzierte Kuckucksuhr mit den beiden Hasen, die wir im vergangenen Monat im Blog gezeigt haben.
Heute stellen wir ein mindestens ebenso ungewöhnliches Stück vor, dass das Museum mit den Mittel des Vereins zur Förderung des Deutschen Uhrenmuseums e. V. (kurz:VFDU) neulich erwerben konnte. Vielen Dank an unseren Förderverein und seine Mitglieder für diese große Bereicherung unserer Sammlung!
Ein imposantes Stück mit liebevollen Details
Sie sieht auf den ersten Blick so gar nicht nach einer Kuckucksuhr aus, diese 60 cm hohe Tischuhr in ihrem historistischen Gehäuse. Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man gleich das Türchen für den Kuckuck.
Auch die Schnitzereien sind vollkommen anders als bei den zünftigen Jagdstücken mit ihren naturalistischen Szenen, die üppig mit Tieren und Pflanzen aus dem Schwarzwald verziert sind. Hier sind die Schnitzereien sehr viel dezenter gehalten. Sie bedecken nicht die gesamte Vorderseite, sondern sind auf wenige Bereiche im Bereich der halbkreisförmigen Bekrönung, der Säulen und des Sockels beschränkt.
Die filigran ausgeführten Ranken und Blumen werden auf einer blau gestrichenen Fläche präsentiert, so dass sie stark ornamentalen Charakter erhalten.
Mittig über dem Zifferblatt ist ein sehr detailliert geschnitzter Vogel im Anflug auf eine Blüte zu sehen. Wer schon einmal einen Kuckuck mit eigenen Augen gesehen hat, wird zunächst wohl kaum an den berühmten Bewohner von Schwarzwalduhren denken. Doch wenn man die Darstellung auf der Uhr mit Fotografien vergleicht, so wird deutlich, dass ein Kuckuck kurz vor der Landung eben nicht seine charakteristische langgestreckte Form zeigt, sondern durch die Krümmung des Rückens eher einen runden Eindruck vermittelt. Diese genaue Beobachtung und die gekonnt drapierten Ranken zeigen die hohe Qualität der Gehäusegestaltung.
Wer hat die Uhr gebaut?
Wenn man die Uhr umdreht und die Gehäuserückseite entfernt, kommt ein eindrucksvolles Uhrwerk zum Vorschein. Es handelt sich dabei um ein massives Messingplatinenwerk mit einer Laufdauer von acht Tagen. Um die Schwankungen der Federspannung gering zu halten, ist das Uhrwerk mit dem Ausgleichsmechanismus von „Kette und Schnecke“ ausgestattet, wobei die Kette hier durch eine Stahlsaite vertreten wird.
Hergestellt wurde das Uhrwerk von der berühmtesten aller Kuckucksuhrmanufakturen, von Johann Baptist Beha in Eisenbach. Nur diese Firma verwendete anstatt der sonst üblichen vier Werkpfosten in den Ecken zwei weitere an den Längsseiten. Die insgesamt sechs verstifteten Verbindungen an den Rändern des Uhrwerks sind auf dem Foto deutlich zu erkennen. Das massive Messinguhrwerk mit Kette und Schnecke war das hochwertigste Uhrwerk, das Beha im Sortiment führte. Aufgrund seines hohen Preises wurde es nur in geringen Stückzahlen produziert.
Und das Gehäuse?
Das Gehäuse ist leider nicht in den erhalten gebliebenen Beha-Produktkatalogen noch in Musterbüchern anderer Hersteller aus dem 19. Jahrhundert aufgeführt. Es ist auch nicht in dem umfänglichen und reich bebilderten Standardwerk von Wilhelm Schneider „Kuckucksuhren von J. B. Beha und seinen Konkurrenten“ (Regensburg 2011) abgebildet. Deshalb ist wahrscheinlich, dass es sich bei der Uhr um ein Einzelstück handelt, bei dem der Preis für das hochwertige Uhrwerk keine entscheidende Rolle spielte.
Die perfekte Ausführung des Gehäuses spricht dafür, dass die Uhr möglicherweise im Umfeld der Großherzoglich Badischen Schnitzereischule Furtwangen oder der am gleichen Ort ansässigen Filiale der Großherzoglichen Landesgewerbehalle Karlsruhe entstanden ist. Sie hatte es sich zum Ziel gesetzt, Gewerbe und Industrie in der Uhrenregion rund um Furtwangen zu stärken.
Der wohl bedeutendste der Leiter der Furtwanger Filiale war der Kunsthandwerker Robert Bichweiler (1849–1915). Bichweiler konnte durch seine zahlreichen Gehäuseentwürfe vorwiegend im Stil der Neorenaissance entscheidenden Einfluss auf den Uhrenstil im Deutschen Kaiserreich nehmen.
Die Neuerwerbung für unsere Sammlung ist wohl in den 1880er Jahren gebaut worden. Denn eine andere prächtige Kuckucksuhr in der Sammlung nach Entwurf von Robert Bichweiler, in die als Uhrwerk ebenfalls das Spitzenprodukt von Beha eingebaut wurde, ist 1885 entstanden.
Obwohl offenbleiben muss, ob Bichweiler wirklich für das außergewöhnliche Gehäuse verantwortlich zeichnete, ist diese Uhr durch das hochwertige Uhrwerk sowie die außergewöhnliche Qualität des Gehäuses eine große Bereicherung unserer Sammlung.






