Einige unserer Uhren sind eng mit der deutschen Geschichte verbunden. Das wissen aufmerksame Leser der „Objekte des Monats“ längst. Selten aber sehen die Uhren so unscheinbar aus wie diese beiden Uhren, die von Widerstand und Terrorismus erzählen.
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Uhr des Monats Juni 2015
Kleine Ursache, große Wirkung
Rückwandglockenwecker, VEB Secura, Berlin, um 1950, Inv. 2015-017
Auf den ersten Blick ist eine Spiralfeder ein kleines, unscheinbares Teil. Doch für die Funktion eines mechanischen Uhrwerks ist sie unerlässlich. Ohne Spiralfeder würde der oben abgebildete Wecker nicht ticken.
Das wusste offenbar auch Johann Burianek, der sich Anfang der 1950er Jahre als Mitglied der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ zur „Bekämpfung des Kommunismus, wo immer er auftritt“, verpflichtet hatte. Burianik arbeitete als Lastkraftwagenfahrer des Volkseigenen Betriebes (VEB) Secura-Mechanik im sozialistischen Osten des geteilten Berlins.
Burianek gab der Polizei im Westen einen Wink, als er von einer besonderen Lieferung Wind bekam. Die Behörden beschlagnahmten 5000 Spiralfedern. Durch seine Sabotage musste die Weckerproduktion für einen Monat unterbrochen werden.
Kleines kann manchmal eben Großes bewirken …
Uhr des Monats September 2015
Tickender Zündstoff
Wecker Sonochron, EMES, Schwenningen, 1970er Jahre, Inv. 12-4002
Der Sonochron ist nicht größer als ein Schokoriegel, aber dieser Reisewecker im Resedagrün der 1970er Jahre hat es in sich. Das Uhrwerk ist mechanisch, der Alarm elektrisch. Wenn man das Uhrwerk vom Summer trennt, lässt sich der Wecker zu einem Zeitzünder umfunktionieren.
Aufgrund seiner Konstruktion erfreute er sich bei einer linksextremistischen Terrorgruppe großer Beliebtheit. Er kam bei Bombenanschlägen der „Revolutionären Zellen“ zum Einsatz.
Um zukünftigen Attentätern auf die Spur zu kommen, ließ das Bundeskriminalamt 1985 den gesamten Bestand an Sonochron-Weckern markieren. Sie waren nur in ausgewählten Geschäften zu kaufen, die von der Polizei mit Videoüberwachung ausgestattet wurden.
Doch die Aktion hatte nicht den gewünschten Erfolg. Sie regte lediglich eine heftige Debatte über staatlichen Eingriff in Persönlichkeitsrechte an, denn überwacht wurden alle Käufer. Der Wecker sorgte somit immerhin für „zündenden“ Gesprächsstoff.

