Wofür Wände im Museum gut sind

In einem Kunstmuseum hängen an den Wänden Bilder – und im Uhrenmuseum? Natürlich Wanduhren! Doch genau wie in einem Kunstmuseum steckt viel Planung dahinter, wie eine Wand mit lauter Uhren gestaltet wird. Und manchmal sind Wanduhren und Bilder gar nicht so verschieden.

Die meisten Objekte im Deutschen Uhrenmuseum liegen oder stehen in Vitrinen hinter Glas. Es gibt aber auch einige Orte im Museum, an denen die Wände selbst als Ausstellungsfläche genutzt werden, um einen ganz bestimmten Eindruck zu erzeugen.

Fünfzig Jahre Küchenuhr: Vom frühen 20. Jahrhundert (ganz rechts, um 1910) bis in die etwas bunteren 50er Jahre (links, ca. 1950-55)

Ein gutes Beispiel dafür ist die Abteilung über die Schwarzwälder Uhrengeschichte im 20. Jahrhundert. Hier hängen an einer Stelle Küchenuhren aus fünf Jahrzenten nebeneinander. Gleich nebenan versammeln sich Beispiele für Wanduhren aus Wohnzimmer und Büro, aber es sind doch die Küchenuhren, die den ersten Blick auf sich ziehen. Unzählige Besucherinnen und Besucher haben hier schon ein Stück aus dem Haushalt der Großmutter wiedererkannt – und sich gewundert, dass diese Uhren ohne Holz und Kuckuck doch typische Schwarzwalduhren sind.

Neue Materialien, neue Technik, neues Lebensgefühl: Uhren spiegeln immer auch den Zeitgeist wider.

Große Flächen wie Wände laden dazu ein, anschaulich thematisch zu ordnen. Das ist an der gegenüberliegenden Wand zu sehen, wo Wanduhren aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts jeweils mit politischen Slogans ihrer jeweiligen Jahrzehnte zusammen hängen. Ob das Adenauer‘sche „Keine Experimente“, Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“ oder Helmut Kohls „Wichtig ist, was hinten rauskommt“ – der Zeitgeist der 60er, 70er oder 80er lässt sich an der Uhrengestaltung genauso ablesen wie an den markigen Sprüchen der Politiker.

Uhren in Form eines Bahnwärterhauses – hochmodern um 1850.

Wandflächen können aber auch für ein Panorama genutzt werden. Im Uhrenmuseum geschieht das in der Abteilung Industrie im 19. Jahrhundert, wo der Eindruck einer zeitgenössischen Industrieausstellung erzeugt werden soll, wie sie in der Filiale der Landesgewerbehalle an genau diesem Ort zu sehen war. Die Fülle an Uhrengehäusen sollte den Uhrmachern und Fabrikanten jener Zeit Inspirationsquelle für aktuelle Designs sein. Heute fühlen sich die Betrachter von der übergroßen Menge an gezeigten Objekten manchmal regelrecht erschlagen – wohin soll man nur den Blick wenden?

Vielleicht ja zu den Rahmenuhren: Sie waren um 1840 die modische Kombination aus Wandschmuck und Zeitanzeige. Häufig hatten die abgebildeten Tiere oder Menschen auch noch bewegliche Augen, die mit dem Pendelschwung den Blick schweifen ließen. Langfristig durchgesetzt haben sie sich aber nicht, sondern sind eher Modeerscheinung geblieben.

 

Heute werden Zeitanzeigen in allen möglichen Geräten verbaut, egal ob Backofen, Radio oder Telefon. Die Wanduhr ist längst nicht mehr alternativlos – trotzdem gibt es sie weiterhin in vielen Wohnungen. Der kurze Blick zur Wand ist eben praktisch wie eh und je.

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