Entdeckungen in der Werkstatt

„Wer kümmert sich eigentlich um all die Uhren?“ Pflege und Instandhaltung sind Aufgaben für die Spezialisten aus unserer Restaurierungswerkstatt. Mit ihrer Arbeit tragen sie nicht nur zum Erhalt unserer Sammlung bei, sondern entdecken auch immer wieder Neues. Eine Schwarzwalduhr kann nämlich allerhand über ihre Entstehungszeit verraten…

 

Schwarzwalduhr mit 8-Tage-Uhrwerk und aufwändigem Uhrenschild im Stil einer Comtoise-Uhr

Im Laufe vieler Jahre hat sich bei Matthias Hüttlin, Restaurator im Deutschen Uhrenmuseums, ein großer Erfahrungsschatz angesammelt. Dennoch macht er immer wieder neue Entdeckungen, wenn er die Objekte unserer Sammlung für seine Arbeit unter die Lupe nimmt. Ob eine Uhr repariert und dabei ältere Teile durch neue ersetzt wurden oder ob die Bemalung retuschiert wurde: Nichts entgeht dem geübten Auge des Fachmanns.

 

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Rückwand mit Nummer der Uhr und Signatur des Uhrmachers

Alte Schwarzwalduhren sind häufig beschriftet. Auf dem Zifferblatt stehen zum Beispiel die Namen von Händlern, welche die jeweilige Uhr in ihrem Sortiment führten. Doch ein Blick auf die Rückseite (und manchmal auch die Innenseiten) enthüllt weitere aufschlussreiche Informationen. Meist ist die Tinte auf dem Holz jedoch dunkel und schlecht lesbar. Es ist nicht leicht, die Worte und Zahlen zu entziffern. Wer oder was ist damit gemeint? Hersteller? Verkäufer? Das Datum einer Reparatur? Eine Seriennummer?

Einblick in das Innere der Uhr

Bei den Namen auf den Uhrwerken handelt es sich normalerweise um den verantwortlichen Uhrmacher. Auf diese Weise lassen sich viele Uhren bekannten Werkstätten zuordnen, hier zum Beispiel dem Uhrmacher Lorenz Fehrenbach in Neukirch. Auch Gestellmacher haben teilweise die von ihnen gebauten Holzgestelle signiert, während auf dem Zifferblatt häufig der Name des Händlers zu finden ist.

Die Nummern weisen auf die Serienproduktion hin. Da mehrere Uhren gleichzeitig arbeitsteilig hergestellt wurden, konnten die einzelnen Teile durch die Nummerierung auseinandergehalten und den richtigen Uhrwerken korrekt zugeordnet werden.

Eines der von Lorenz Fehrenbach gebauten Uhrwerke mit der Nummer 10 bekam ein aufwändig gestaltetes Schild, das von seinem Hersteller Fidel Hepting sogar signiert wurde. Schaut man genau hin, ist auch auf dem Uhrenschild auch „Nr 10 Lorenz Fehrenbach“ zu lesen. Matthias Hüttlin erklärt sich das so: Der Uhrmacher hatte die Uhr bereits komplett fertig gebaut, zum Versand wurde sie aber teilweise zerlegt. Da Uhrenschild und Rückwand über das eigentliche Uhrwerk hinausragten, wurden sie abgenommen, um sie leichter verpacken zu können. Der Empfänger der Warenlieferung konnte dann die zueinander passenden Teile wieder einfach herausfinden und zusammensetzen. Es sind solche Informationen, die wie Puzzleteile zusammengesetzt das Bild ergeben, welches wir uns heute vom früheren Schwarzwälder Uhrengewerbe machen.

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