Leises Ticken in lauten Zeiten

Das Objekt des Monats März im Uhrenmuseum: Alles dreht sich um den ruhigen Schlaf.

1932, inmitten der aufgeheizten Stimmung zur Endzeit der Weimarer Republik, brachte die Schramberger Uhrenfirma Junghans eine wohltuende Neuheit auf den Markt: einen Wecker, dessen Ticken praktisch nicht zu hören war. Mit einer unkonventionellen Hemmung, die das bislang Dagewesene auf den Kopf stellte, war es der Schramberger Firma gelungen, das schlafraubende Weckerticken zu eliminieren.

Gefeiert wurde der Junghans-„Lautlos“ noch während des Zweiten Weltkriegs als „Beweis der Leistungen deutscher Präzisionstechnik“, ließ er die Kundschaft in diesen lauten Zeiten doch wenigstens nachts die vermeintliche Stille genießen. Ob sich damit in Kriegszeiten wohl ruhig schlafen ließ?

 

Wecker – Uhren der Krisenzeiten

Von den „Goldenen Zwanzigern“ war nicht mehr viel übrig: Die Weltwirtschaftskrise hatte 1929 nicht nur für Erschütterungen an den Börsen gesorgt, sondern auch die Menschen im Alltag hart getroffen. Die Industrieproduktion ging erheblich zurück, Arbeitskräfte wurden entlassen – und ohne Arbeit konnten die Menschen auch weniger Geld ausgeben. Anfang des Jahres 1932 waren mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos gemeldet. Wer sollte noch Uhren kaufen? Und wenn es keine Käufer mehr gab – was sollten die Uhrenfirmen dann produzieren? Eine Abwärtsspirale geriet in Bewegung.

Der billige Blechwecker war der „Rettungsanker“ für Firmen wie Junghans. Anders als die aufwendig gearbeiteten Wohnraumuhren aus dem badischen Schwarzwald waren die Wecker immer noch erschwinglich. Während traditionsreiche Firmen bankrottgingen, konnten die Uhrenfabriken in Württemberg überleben.

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