Sackgasse

Werk “motolectric W16B”, J. Kaiser, Villingen, um 1970.

Hannover-Messe, 1963: Die Firma J. Kaiser aus Villingen stellt mit „motolectric“ ein neuartiges elektrisches Uhrwerk vor. Damals galten batteriebetriebene Uhren als zukunftsträchtig. Mit dem „einzigen System seiner Art“ antwortete die Firma auf den technologischen Wandel. Was war daran so einzigartig?

 

 

Werbung für Batterieuhren, J. Kaiser, Villingen, 1969/70.

Batterien revolutionieren die Uhrenindustrie

Ab Ende der 1950er Jahre waren leistungsfähige, günstige Batterien verfügbar. So konnte man zuverlässige und relativ preisgünstige Batterieuhren produzieren. Sie setzten sich bei höherwertigen im Alltagsleben durch. Man musste die Uhren nun nicht mehr regelmäßig von Hand aufziehen: Mit Batterie liefen sie mindestens ein Jahr.

Innerhalb der 1960er Jahre fertigten die meisten Großuhrenfabriken elektrisch aufgezogene und angetriebene Uhrwerke. Auch die Uhrenfirma J. Kaiser wollte ein eigenes elektrisches Uhrwerk im Angebot haben. Doch welche Technik sollte man verwenden?

Eine kreative Erfindung

Kaiser hatte ein Patent des Erfinders Joseph Krischker erworben. Daraus entwickelte die Firma „motolectric“. Das Besondere daran: Im Gegensatz zu anderen elektrischen Uhrwerken zog der Motor keine Feder auf – er ersetzte diese und war Antrieb und Aufzug in Einem. So konnten einige Bauteile eingespart werden.

Wie funktioniert das? Der Elektromotor dient als Energiespeicher. Zunächst wird der Stromkreis geschlossen und so der Aufzugsvorgang gestartet: Die Spule schraubt sich aus dem ringförmigen Magneten heraus. Am Ende wird der Stromkreis wieder geöffnet. Jetzt wird die Spule in den Magneten hineingezogen und treibt so das Uhrwerk an. Jede Minute wiederholt sich der Vorgang. Wie sich die Spule bewegt, können Sie im Film sehen:

 

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben

„motolectric“ wurde bereits 1963 auf der Hannover-Messe vorgestellt, doch in größeren Mengen wohl erst ab Ende der 1960er Jahre produziert. Währenddessen war die Uhrenherstellung längst durch elektronische Uhren aus Kunststoff revolutioniert. Diese konnten weit billiger hergestellt werden. Mit dieser Entwicklung konnte die Firma J. Kaiser nicht Schritt halten: 1972 meldete das Unternehmen Insolvenz an.

Ein Kommentar zu „Sackgasse

  1. Als langjähriger Sammler von Elektrouhren habe ich schon viele verschiedene elektrische Uhrwerke gesehen. Dieses ist aber für mich, 46 Jahre nach der Pleite von Kaiser, eine Premiere. Im Flume- Grossuhrschlüssel von 1967 ist das Werk auf den Seiten ‘Batterie-Uhren mit Motor-Aufzug mit Unruh’ abgebildet.

    Freundliche Grüsse,
    Niklaus Maag, Rorbas, Schweiz

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