“Das Spiel dauert 90 Minuten.” – Uhren und Fußball

Tischstoppuhr, um 1960, Inv. 2000-015

Am 14. Juni startet in Russland die Fifa-WM 2018. Welche Mannschaft  die begehrte Trophäe erhalten wird? Keine Ahnung. Da halten wir es mit dem Trainer der deutschen Weltmeister-Elf von 1954, Sepp Herberger: „Das Spiel dauert 90 Minuten.“ Denn erst nach dem Finale werden wir den Sieger kennen.

Was wir aber ganz sicher wissen: Pünktlich zur WM zeigt das Deutsche Uhrenmuseum in einer Mini-Ausstellung drei originelle Fußballuhren. Neugierig geworden?

Einen neuen Sport einzuführen braucht – viel Zeit

Tischuhr mit Fußballspielern, um 1910, Inv. 39-3603

„dich gut zu spielen sei mein Ziel …“ So dichteten um die Jahrhundertwende begeisterte Fußballanhänger das alte Studentenlied „O alte Burschenherrlichkeit“ um.

Dass zwei Kicker auf einer Uhr zu sehen waren, beweist die weite Verbreitung des Mannschaftsspiels schon im späten Kaiserreich. Dennoch hatte Fußball in Deutschland noch nicht die Bedeutung, die er heute hat.

Der neue Sport hatte es anfangs nicht leicht, sich durchzusetzen. Vor allem  national gesinnte Turner wetterten gegen die englische „Fußlümmelei“.

1903 veröffentlichte der Braunschweiger Lehrer Konrad Koch eine Liste aus dem Englischen übersetzter Fußball-Begriffe. Bald danach entdeckte die Armee den Fußball und bespickte die Sportart mit ihrem Jargon: Angriff, Abwehr, Flanke, Deckung, Parade.

Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde “König Fußball” zur Massenbewegung. 1930 wurde erstmals eine Weltmeisterschaft ausgerufen: In Uruguay kickten 13 Mannschaften um den Titel.

…Aus! Das Spiel ist aus. Deutschland ist Weltmeister…“

Mit diesen Worten kommentierte der Radioreporter Herbert Zimmermann den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz durch Deutschland.  Das „Wunder von Bern“ schrieb nicht nur Sportgeschichte, sondern hatte auch bedeutende historische Auswirkungen. Mit dem Titelgewinn fand die scheinbare Isolation und Bedeutungslosigkeit Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg ein Ende. Nun hieß es: „Wir sind wieder wer“.

Uhr mit beweglichen Fußballspielern, Schwarzwald, um 1950, Inv. 2013-046.

Das nationale Selbstbewußtsein erhielt mit der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland noch einmal einen gewaltigen Schub. Plötzlich war schwarz-rot-gold überall. Die große Zeit der Figuren-Uhren war aber längst vorbei – eine Uhr mit beweglichen Fußballspielern wie in den 1950er Jahren war nicht mehr gefragt.

Und heute?

Radioreportagen wie 1954 gibt es immer noch. Sie haben aber nicht mehr die große Bedeutung wie noch in der frühen Bundesrepublik. Denn sie werden von anderen Medien überstrahlt.

“Fernsehwecker” Fußball, Taiwan, 1980er Jahre, Inv. 2014-035

Ab den 1960er Jahren versammelte man sich gemeinsam vor dem Fernsehgerät, um die Kicker anzufeuern. Daran erinnert diese Fußballuhr im Fernsehgehäuse mit terrestrischer Antenne.

Eine neue Stufe erreichte die Medienpräsenz mit dem Public Viewing. Nun musste man nicht mehr zu dem Kreis der Erlauchten gehören, die eine der begehrten Eintrittskarten für das Stadion ergattert hatten. Fast an jedem Ort ließ sich das Gemeinschaftserlebnis vor der Großbildleinwand erleben. Doch mit den Terroranschlägen auf öffentliche Massenveranstaltungen flaute das Interesse an Public Viewing ab.

Was aber ist mit den Sozialen Medien? Gerät die Weltmeisterschaft  in Gefahr, darüber “das Soziale” zu verlieren? Heute schauen viele auf ihr mobiles Endgerät, oft auch im aktuellen Austausch mit anderen Fans. Ist damit die goldene Ära der Fußballweltmeisterschaft vorbei? Oder gibt es doch wieder ein großes Fußballfest?

 

Ein Kommentar zu „“Das Spiel dauert 90 Minuten.” – Uhren und Fußball

  1. Hoffen wir doch mal Gary Lineker’s Aussage von 1990 trifft wieder zu: “Football is a simple game, 22 men chase a ball for 90 minutes and at the end, the Germans always win.” 😉

    Danke für das Fußballuhren-Extra anlässlich der Weltmeisterschaften in Russland.

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