Abschied vom Uhrenmuseum

Ende Juni verlassen uns drei langjährige Mitarbeiter in den Ruhestand: Unsere Empfangsdame Monika Bachner, unsere Museumspädagogin Manuela Lübben und unser Direktor Eduard C. Saluz. Zwei von ihnen nehmen dies zum Anlass für ihre ganz persönlichen Rückblicke auf ihre Zeit im Museum.

Eduard C. Saluz, Direktor des Uhrenmuseums seit 2003

Ich trat meine Stelle als Direktor des Deutschen Uhrenmuseums im September 2003 an. Dies war für mich mehr als eine neue Arbeitsstelle. Der Wechsel von der Schweiz nach Deutschland konfrontierte mich auch mit einem ganz anderen gesellschaftlichen Umfeld. Rückblickend kann ich sagen, dass ich es in Furtwangen gut getroffen habe. Die etwas knorrige Schwarzwälder Mentalität trifft sich mit meinem schweizerischen Selbstverständnis recht gut.

Schnell wurde ich gewahr, dass das Deutsche Uhrenmuseum in einer kniffligen Lage steckte. Bis 1990 waren die Besucherzahlen ständig gestiegen. Deshalb wurde das Museum damals vergrößert und modernisiert. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Im Gegenteil, die Besucherzahlen waren seit 1992 rückläufig. Dieser Niedergang korrespondierte mit dem der lange Zeit weltweit führenden Schwarzwälder Uhrenindustrie. Und die Ausstellung im Uhrenmuseum, eigentlich gedacht als stolze Leistungsschau, wirkte im Lichte dieser Entwicklung eher traurig.

Einen Weg aus diesem Dilemma sah ich im Wechseln der Perspektive. Ein „Roter Faden“ der Schwarzwälder Uhrengeschichte zeigt sich in der ständigen Anpassung an die sich verändernden Märkte. Weshalb also nicht den Niedergang der Uhrenfertigung als positive Konsequenz sehen? Wirtschaftlich ging es der Region ja nach wie vor sehr gut.

Bei der Umsetzung dieses Perspektivwechsels in der Ausstellung kam uns entgegen, dass die Besucherzahlen im Lauf des Jahres sehr ungleich verteilt sind. In den ruhigen Wintermonaten konnten wir somit eigene Arbeitszeit für die neue Ausstellung einsetzen. Dass die neue Präsentation durch die Museumsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter selbst entwickelt wurde, war mir besonders wichtig. In einem mehrjährigen Prozess wurde so die Dauerausstellung überarbeitet und die Uhren in ein neues Licht gestellt.

Als „Nebenprodukt“ entstanden viele Artikel und Publikationen für die Fachwelt. Entsprechend gibt es heute in Deutschland kaum eine größere Ausstellung zum Thema „Zeit“, bei der keine Leihgaben aus der Furtwanger Sammlung zu sehen sind.

Rückblickend sehe ich meine 17-jährige Tätigkeit in einem guten Licht. Ich wünsche dem Museum, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch weiterhin viel Freude bei der Arbeit.

 

Manuela Lübben-Konstantinoff, Museumspädagogin im Uhrenmuseum seit Februar 2004

Mich hat es immer begeistert, im Museum mit Menschen zu arbeiten. Gefallen haben mir unsere Werkstätten, in denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene kreativ werden konnten, ein eigenes, einmaliges Produkt gestalten und mit nach Hause nehmen konnten. Aber auch die Führungen durchs Museum mit Menschen aller Altersgruppen und verschiedener Nationalitäten habe ich sehr gerne geleitet. Besonders gerne habe ich aber auch mit unseren freien Mitarbeiter*innen zusammen die Wochenend- und Feiertagsdienste geplant und organisiert oder auch neue Projekte für die Museumspädagogik entwickelt. Auf keinen Fall vergessen möchte ich auch meine Jahre im Personalrat, die wechselnden Volontärinnen und das Team des Museums, mit denen die Zusammenarbeit immer interessant und spannend war – ich habe viel dabei gelernt! Besonders ans Herz gewachsen sind mir die Musikautomaten, die für mich der krönende Abschluss jeder Führung waren.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Sommer 2004, als wir das erste Mal eine Sommerwerkstatt mit Lackschilduhrenbau für Familien mit Kindern angeboten haben und von Mengen von Besuchern überrannt wurden. Alle Mitarbeiter*innen des Museum haben mitgeholfen, mit diesem Ansturm fertig zu werden. Da wurden an einem Tisch Brettchen verteilt, an anderen Tischen wurde gesägt und geschliffen, an weiteren gemalt und am Ende dann die Uhrwerke montiert.

Eine große Veränderung waren zuletzt die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Das Museum ohne Besucher wirkte so leer und unbewohnt, als wären die Uhren traurig, weil niemand sie ansehen durfte. Zum Glück ist die besucherlose Zeit seit dem 19. Mai wieder zu Ende, und ich hoffe, dass das Museum spätestens im Sommer wieder Hunderte von Besuchern jeden Tag begrüßen darf! Eine weitere Veränderung ist es, dass ich ab Juli nicht mehr regelmäßig im Museum sein werde, sondern mich in die Reihe der freien Mitarbeiter*innen begebe, denn ganz möchte ich auch nach meinem Renteneintritt nicht auf das Deutsche Uhrenmuseum verzichten. So werde ich an manchen Wochenenden und Feiertagen Museumsdienste übernehmen. Da freue ich mich schon drauf!

 

7 Kommentare zu „Abschied vom Uhrenmuseum

  1. Alles Liebe und Gute Ihnen/Dir für den neuen Lebensabschnitt, in dem man – ach, wie passend – gar keine Zeit mehr hat. Die besten Grüße von Birgit Dorer

  2. Lieber Eduard Saluz, ich bewundere Dein Werk, ich ahnte nicht, dass man Zeit, Zeitgeschehen und Zeitmessung so dicht in ein Museum packen kann, dass kaum eine Sekunde dazwischen passt.
    Die Vorträge zum Zeitverlauf waren immer ein gesellschaftlicher Höhepunkt in diesem kleinen Bregtalstädtchen.
    Doch leider bleibt die Zeit nicht stehen und wir werden Deine Ideen vermissen.

  3. Ich wünsche Ihnen beiden alles Gute für die Zukunft und den nun folgenden (Un-)Ruhestand. Langweilig wird es bestimmt nicht werden, den ich gehe davon aus, dass noch viele Ziele und Wünsche auf ihre Erfüllung warten.
    Und wer weiß: Vielleicht werden Sie Furtwangen und die Furtwanger sogar ein bisschen vermissen?
    Viele Grüße Ute Beitlich

  4. Zwei große Säulen verlassen das Uhrenmuseum, die immer unermüdlich am Geschehen beteiligt waren und diesem Museum eine ganz besondere Handschrift und einen ganz besonderen Glanz verleih(t)en!
    Unsere Begegnungen waren immer sehr kurz, aber dennoch voller liebenswerter Momente!
    Ich wünsche Euch von Herzen eine wunderbare Zeit in einen neuen Lebensabschnitt mit vielen glücklichen Momenten umgeben von wunderbaren Menschen!
    Herzlichst
    Sabine Hattung-Hocheder

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