Woher kommen unsere Stunden?

Antike römische Sonnenuhr mit horizontalem Schattenstab auf einer Säule vor dem Apollo-Tempel in Pompeji

Der Lauf der Sonne zeigt uns auf eindrückliche Art den Lauf der Zeit. Sonnenuhren waren denn auch die ersten Zeitmesser. Unsere Art, die Zeit einzuteilen, hat sich jedoch erst langsam im Verlauf der Geschichte entwickelt. Woher kommen also unsere Stunden?

 

 

 

Gleich lange Stunden? Keine Selbstverständlichkeit!

Bis ins späte Mittelalter waren keine gleichmäßig langen Stunden in Gebrauch. Stattdessen unterschied man in Europa zwischen Tag und Nacht und teilte beide in je zwölf Teile, die sogenannten Horen oder Temporalstunden. Für den Alltag spielten Stundenangaben aber kaum eine Rolle. Das englische Wort hour oder das französische heure für Stunde verweisen noch heute auf diese Herkunft. Da ein Tag im Sommer jedoch länger ist als ein Wintertag, waren auch die Horen des Tages und der Nacht im Laufe des Jahres unterschiedlich lang.

Die mittelalterlichen Sonnenuhren zeigten auch die Temporalstunden, nicht die uns bekannten Stunden zu je 60 Minuten. Ihre Schattenwerfer sind horizontal oder vertikal, unabhängig von ihrem Standort.

Der Schattenstab der Sonnenuhr am Turm der Kathedrale von Chichester (GB) ist parallel zur Erdachse ausgerichtet und zeigt damit gleichmäßig lange Stunden an.

Mit der mechanischen Räderuhr wechselte dies schnell, denn ihr Zeiger drehte sich mit konstanter Geschwindigkeit. In einer Übergangszeit zeigten die Zifferblätter sowohl die Temporalstunden, als auch die gleichmäßig langen Stunden. Auch die Sonnenuhren sollten bald die gleichmäßigen Stunden anzeigen. Dazu musste der Schattenstab parallel zur Erdachse ausgerichtet werden, je nach Standort also mehr oder weniger schräg.

Das Stellen der Uhr nach der Sonne

Im Laufe des 18. Jahrhunderts setzten die genau laufenden Pendeluhren einen neuen Zeitstandard. Doch je präziser die Uhren liefen, desto genauer mussten sie auch gestellt werden. Dazu dienten vielfältige Arten von Sonnenuhren.

In größeren Städten oder auf manchen Schlössern (zum Beispiel im Südgarten des Ludwigsburger Schlosses) gab es „Mittagskanonen“, die mit einem lauten Knall den höchsten Sonnenstand verkündeten. Ein entsprechend ausgerichtetes Brennglas entzündete am Mittag das Schießpulver in der Kanone.

Passagenfernrohr zur Zeitbestimmung, 2. Hälfte 19. Jahrhundert, Inv.-Nr. 2007-019

Für den Hausgebrauch konnte man im 19. Jahrhundert „Sonnensextanten“ kaufen. Diese erlaubten, zusammen mit einem Tabellenbuch, minutengenaue Zeitbestimmung. Das Tabellenbuch musste jedoch auf die geographische Breite des Standorts berechnet sein.

Wer es noch genauer wissen wollte, konnte mit einem „Passagenfernrohr“ in der Nacht den Meridiandurchgang eines Sterns sekundengenau bestimmen. Mit Hilfe von genauen Himmelskarten und der geographischen Länge des Standorts ließ sich die Uhrzeit berechnen.

 

Und heute? Wenn wir unsere Uhren stellen wollen, brauchen wir diese Hilfsmittel nicht mehr. Über Satelliten und Funk wird die amtliche Zeit überallhin verteilt und das Problem der unterschiedlich langen Stunden gehört längst der Vergangenheit an.

 

Kommentar verfassen