Glanzstücke im Deutschen Uhrenmuseum (Teil III)

Junghans Weckermädchen, 1920er Jahre.

Immer wieder werden wir nach besonderen Uhren gefragt, die man im Deutschen Uhrenmuseum unbedingt gesehen haben sollte. Aus diesem Grund gibt es die „Zwölf Glanzstücke“. Einige unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stellen hier ihren Favoriten vor. Manuela Lübben-Konstantinoff, Museumspädagogin im Deutschen Uhrenmuseum, hat sich für die Wecker-Mädchen entschieden und erzählt uns heute, warum.

Frau Lübben-Konstantinoff, können Sie uns kurz erzählen, was es mit den Wecker-Mädchen auf sich hat und warum sie Ihnen besonders gut gefallen?

Das Weckerkostüm im Deutschen Uhrenmuseum.

Die Wecker-Mädchen waren Werbeträgerinnen der Firma Junghans. Im Weckerkostüm liefen sie zum Beispiel vor geladenen Besuchern der Firma oder posierten für Werbefotos.

Bei der Vitrine mit den Wecker-Mädchen frage ich die Besucher*innen gerne, wo dieser riesige Wecker wohl eingesetzt war.  Häufig stehen unsere Gäste – ob groß oder klein – davor und überlegen, was man damit wohl gemacht hat. Dass es ein Kostüm war, sorgt meistens für Erstaunen. Wir können hier über so viele Themen sprechen: Werbung, Geschlechterrollen, Frauenerwerbstätigkeit und vieles mehr.

A propos Geschlechterrollen: Haben die Wecker-Mädchen für Sie auch einen Bezug zur (immer noch) aktuellen Debatte über Geschlechterrollen in unserer heutigen Gesellschaft?

Junghans Weckermädchen, 1920er Jahre.

Ja, ganz klar. Besonders auf den Fotos, die zusammen mit dem Wecker-Kostüm ausgestellt sind, wird das deutlich. Die Besucher*innen können hier sehen, dass die Wecker-Mädchen mehr als Objekte und weniger als Subjekte wahrgenommen wurden. Was für einen Spaß die Männer auf diesem Foto auch haben, an den Mädchen herumzuschrauben…

Andererseits waren die Weckerkostüme in jener Zeit auch sehr freizügig: Die jungen Frauen durften verhältnismäßig viel Bein zeigen. Die Tätigkeit als Wecker-Mädchen war bei den Arbeiterinnen nicht unbeliebt, kamen sie doch in die Öffentlichkeit und bekamen viel Aufmerksamkeit von Uhrmachern und anderen Besuchern der Junghans-Fabrik. In der Zeit, in der sie als „Wecker“ für Belustigung sorgten, mussten die Arbeiterinnen auch keine Uhren montieren.

Wie wurden die jungen Frauen eigentlich zum Wecker-Girl bei Junghans?

Die Weckermädchen bei Junghans in den 1920er Jahren.

Die Wecker-Mädchen waren keine gemieteten Revuegirls, sondern fabrikangehörige Arbeiterinnen. Wie die Auswahl genau ablief, würde ich aber auch gerne wissen. Ich frage mich, ob sich die Mädchen bewerben mussten oder ob diejenigen, die gerade Schicht hatten, ausgewählt wurden.

 

Sind Sie neugierig geworden? Dieses und weitere „Glanzstücke“ gibt es im Deutschen Uhrenmuseum zu sehen. Außerdem können Sie auf unserem Blog noch Teil 1  und Teil 2 der Glanzstück-Interviews lesen.

2 Kommentare zu „Glanzstücke im Deutschen Uhrenmuseum (Teil III)

  1. Weckermädchen

    Seit altersher ist Weiblichkeit
    ein Stimulans der Käuflichkeit,
    und Männer waren mehr erpicht
    auf den Appeal als das Gesicht.

    Ein Wecker ist ein Utensil,
    das man nicht wirklich haben will;
    belegt mit Schranken die Bohäme,
    die leichtem Sein entgegenkäme!

    Die Weckermädchen zeigten Bein,
    den Rest hüllte der Wecker ein
    und evozierte Phantasien,
    erotisch-feuchte Utopien.

    Man kann der Meinung Glauben schenken,
    und es den Mädchen nicht verdenken,
    dass sie um diese Rolle buhlten
    und sich gar selbstverliebt drin suhlten.

    Erotik ist als Trieb und Kraft
    gepaart mit großer Leidenschaft.
    Die Mädchen spielen wach und pur
    den Lockruf dieser Tastatur.

    Sex sells, erhöht Aufmerksamkeit
    durch eher mit als ohne Kleid,
    und so ist Werbung würdevoll,
    wie sie beherrscht erscheinen soll!

    Ich komme damit schon ins Reine
    und hätte gerne solche Beine!
    Ich seh die Sache derart an,
    da ich nicht schön bin und ein Mann.

  2. Heute gang und gäbe, Werbefiguren durch stark frequentierte Flächen laufen zu lassen. Damals absolut innovativ, provokant und vor allem werbewirksam. Ein Dokument frühen, modernen Marketings. Danke für den tollen Beitrag.

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